Archiv für den Monat: August 2016

Bis hierher – und noch etwas weiter

Wenn ich überlege, welche Aufgabe genau dieser Hund als nächstes arbeiten soll, gibt es in mir gerne mal einen kleinen Konflikt.

Auf der einen Seite möchte ich das bisher gelernte verfestigen – gerade bei Hund-Mensch-Teams, die erst seit kurzem für das Mantrailing entflammt sind. Auf der anderen Seite hat mich der Satz einer Trainerin geprägt: “Wir trauen unseren Hunden zuwenig zu.”

Und genau deswegen, weil ich unseren Hunden sehr viel mehr zutraue, wage ich auch mit Anfänger-Teams größere Schritte. Bislang mit Erfolg, sonst würde ich diese Strategie über Bord werfen.

In der Bildergalerie seht ihr die 7-jährige Golden Retriever Hündin Candy. Sie war einmal in einem Schnupperkurs bei uns und heute war ihre erste richtige Unterrichtsstunde. Zu Beginn wurde sie über Sicht angereizt und nur über ganz kurze Strecken geführt. Beim zweiten Durchgang musste sie eine zweite Person suchen die sie zwar weggehen sah, aber die letzten 15 Meter musste sie ihre Nase einsetzen. Beim dritten Durchgang – mit einer dritten Person – sah sie die  Person zwar weggehen, musst aber gleich ihre erste Kreuzung erarbeiten, was  sie einfach gemacht hat. Aufgabe verstanden!

Tja, mit welchem Trail sollten wir heute Candy motiviert den Kurs beenden lassen?

Mir ist daran gelegen, schon von Anfang an kein Schema F aufkommen zu lassen. D.h. z.B. unterscheiden sich die verwendeten Geruchsartikel in der Größe, Form und Farbe. Wir laufen immer quer Beet und nie immer nur auf Wegen. Bislang haben die Zielpersonen sich klein gemacht, damit der Hund freudig kommt. Als Abschlußaufgabe gab es dann für Candy, dass sie Artur suchen darf (was sie heute schon einmal mit Erfolg gemacht hat), diesen aber nur ein paar Meter um eine Kurve laufen sehen durfte. Danach steht sie schon vor einer Entscheidung, denn es gehen 3 Wege ab. Und die Zielperson liegt auf einer Bank, noch ein Unterschied zu vorher. Der Mut wurde belohnt: Candy und Frauchen haben das einfach toll gemacht.

Bei all diesen Erfolgen möchte ich aber doch betonen, dass wir viel an der Motivation des Hundes arbeiten und immer einfache Trails einbauen. Dennoch macht der Fortschritt und die Lösung neuer Aufgaben allen Beteiligten Spaß, es hält die Motivation hoch und die Vorfreude auf die nächste Mantrailing-Stunde stimmt auch für Frauchen oder Herrchen.

Das Startritual: Wichtig oder weniger wichtig?

Beim Start gibt es vieles zu beachten. Entscheidend für einen guten Start ist meiner Erfahrung nach, dass sich der Hundeführer auf seinen Hund und die Aufgabe konzentriert, also gedanklich voll bei seinem Hund und bei der Sache ist.

Hilfreich dazu sind kleine Rituale. Bei uns ist es so, dass ich Amigo aus dem Auto hole, ich ihn streichle, er ein bisschen schnüffeln darf und noch etwas trinken. Dann laufen wir gemeinsam (geführt am Halsband) zum Startpunkt und drehen noch eine kleine Runde. Erst dort ziehe ich ihm das Trailgeschirr an.

Im Video seht Ihr einen motivierten Amigo, der genau an der Stelle starten musste, an der Sekunden zuvor noch 3 andere Hunde waren. Andere Hunde waren für Amigo früher eine immense Ablenkung. Artur hat die Halter gebeten, ein paar Schritte weiter zu gehen, also hatten wir auch noch Zuschauer beim ersten Start des Tages.

Der Start sollte für den Hund so angenehm wie möglich sein. Deshalb sitze ich beim Anziehen seines Trail-Geschirres neben/vor ihm.  Er darf dann seine Startposition selbst wählen, d.h. ich stelle ihn weder gegen die Startrichtung, noch genau in die Startrichtung oder quer dazu. Er entscheidet nach wenigen Schritten selbst, wo es lang geht. Ich achte im Training nur darauf, dass der Hund nicht immer in Startrichtung angesetzt wird sondern gleich zu Beginn seine Nase einsetzen muss.

Auf weitere Kommandos wie “sitz” oder “steh” beim Anriechen verzichte ich sondern schaue, was der Hund von sich aus anbietet.  Ich lasse Amigo gerne aus der Tüte riechen, da er dann auch kleine Geruchsartikel wie z.B. einen Ohrring, gut anriechen kann. Allerdings sind wir da flexibel: Nur wenn der Hund das mag und nicht zurückweicht oder beschwichtigt, machen wir das. Ansonsten den Geruchsartikel vor die Nase halten, auf den Boden legen etc. – so dass Hund sich dabei wohl fühlt. Eigentlich heißt es bei uns “riech” und “such” – für Amigo völlig überflüssig, er kennt die Aufgabe, liebt die Aufgabe und erfüllt sie gerne.

Mein Fazit: Rituale helfen, sich zu konzentrieren und sich auf die Aufgabe einzustimmen. Brauchen tut Amigo sie nicht, denn als ich im Bauhaus Artur verloren habe, musste ich nur “such Artur” sagen und er führte mich in anderem Geschirr, anderer Leine, völlig losgelöst aus der Trainingssituation sicher zu Artur.

Das Wichtigste ist: Das Suchen soll von Anfang bis Ende Spaß machen!

Ganz schön schwierig: Zielperson läuft

Mal wieder ein besonderes Training für Amigo – die Zielperson sitzt/liegt/steht nicht irgendwo ganz ruhig, sondern ist in Bewegung.

Da Amigo momentan auf einem super Trainingsniveau ist, war ich sehr zuversichtlich, dass er die Person anzeigen wird. Amigo sucht die junge Dame zum ersten Mal, er kannte sie nicht.

Auf dem Video seht Ihr das Ende des Trails. Bis dahin hat Amigo schön gearbeitet, sich aus dem Geruchspool der Person, wo sie auf unser Startsignal gewartet hat,  in die richtige Richtung herausgearbeitet.

Was geschieht? Amigo läuft mehrmals direkt an der Person vorbei. Erst als diese stehenblieb und mit etwas Unterstützung, hat er die Person angezeigt.

Das Bellen am Schluss – sowie schnüffeln und markieren zwischendurch – zeigen den hohen Stresspegel von Amigo, den diese Aufgabe ihm bereitet hat.
Nach einer Erholungspause durfte Amigo zur Motivation Frauchen suchen, dann war seine Trail-Welt wieder in Ordnung.

Weshalb es so schwierig war? Ich vermute, Amigo hat nach einem Geruchspool gesucht, da alle unsere Versteckpersonen sich immer längere Zeit am Zielort aufgehalten haben. Und sei es nur eine Minute, das genügt der Hundenase, um dies als einen Erfolgsfaktor für das Ziel zu definieren.

Ich für mich habe beschlossen, da wir zur Beschäftigung und nicht für den Real-Einsatz trainieren, diese Übung nicht zu wiederholen. Ich möchte nicht, dass Amigo auf dem Trail – und wir arbeiten häufig unter Menschen – zusätzlich noch diese Personen, die gerade zufällig auf dem Trail unterwegs sind, abchecken muss.

 

Rhodesian Ridgeback beim Schnuppern

Es ist immer wieder spannend mitzuerleben, wie die Hunde ihre ersten Schritte im Mantrailing erleben.

Auf den Fotos ist Lenny, 4 Jahre alt, mit Frauchen zu sehen, wie sie gemeinsam ihre allerersten Trails mit Sichtanreiz gemeistert haben. Schon im zweiten Durchgang konnte ich rasch außer Sicht laufen und Lenny hat gleich seine Nase eingesetzt.